Feuerwehrchronik | 1977 bis 2002

Im Jahr 1977 konnten wir unser 100-jähriges Jubiläum feiern. Die Festveranstaltungen fanden vom 12. bis 14. August statt. Wir veranstalteten diese zusammen mit dem Musikverein Mittelstadt, der gleichzeitig sein 65-jähriges Jubiläum feierte. Das Festwochenende begann am Freitag mit dem Fassanstich, der von den Hofbühlmusikanten und dem Musikverein Pliezhausen umrahmt wurde. Der Samstagvormittag begann mit Leistungswettkämpfen. Nachmittags fand für die Kinder ein Spielnachmittag statt. Ein bunter Abend mit den örtlichen Vereinen im Festzelt am Sportplatz blieb bei der Bevölkerung in guter Erinnerung. Eine große Schauübung an der Mühle führten wir am Sonntagvormittag mit der Abteilung Stadtmitte und dem Arbeiter-Samariter-Bund durch. Der Höhepunkt war ein großer Festumzug mit Blaskapellen, Spielmannszügen und den örtlichen Vereinen.

Zum Jubiläum gab es für die Kameraden neue Dienstanzüge. Unsere Fahrzeuge wurden mit Funkgeräten ausgestattet.

Im Jahr 1978 war auch Mittelstadt von dem Jahrhunderthochwasser betroffen. Der komplette Mühlenbereich, die Häuser in der Neckartenzlinger Straße sowie das Sportheim standen unter Wasser. Es wurde der höchste Wasserstand seit Aufzeichnung der Wasserstände gemessen.

Mitte 1979 übergab uns die Abteilung Stadtmitte ein Magirus-Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25). Somit hatten wir unser erstes wasserführendes Fahrzeug vor Ort. Die Schlagkraft unserer Abteilung wurde dadurch erheblich verbessert. Unser Ford-Transit-Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) ist daraufhin ausgemustert worden. Zur Abwicklung des Funkverkehrs zwischen Feuerwehrhaus und Fahrzeugen wurde eine eigene Funkkabine eingerichtet.

1981 übergab Egon Walker die Abteilungsführung an Jakob Weber. Die Mannschaft wählte Gerd Wurster zu seinem Stellvertreter.
Weil wir nun für einen Abschnitt der Pipeline der Fernbetriebsgesellschaft zuständig waren, erweiterte sich im gleichen Jahr das Aufgabengebiet unserer Abteilung. Zusätzlich bekamen wir ein Schlauchboot RTB 1.

Am 26. März 1982 wurden wir zu einem Großbrand bei der Firma Beck gerufen. In Fotolabor und Farbenlager war ein Feuer ausgebrochen, das sich schnell ausbreitete. Dank des schnellen Eingreifens der Abteilung Mittelstadt sowie zweier Löschzüge aus der Abteilung Stadtmitte konnte ein Totalverlust der Produktionsanlagen verhindert werden.

Ein weiterer technischer Fortschritt für die Abteilung war die stille Alarmierung in Form einer kleinen Meldegruppe (8 Melder). 1983 erfolgte eine Demontage der öffentlichen Druckknopfmelder. Drei Jahre nach der Einführung der stillen Alarmierung konnte die gesamte Abteilung mit Funkmeldeempfängern ausgestattet werden.
Aus gesundheitlichen Gründen musste der Abteilungskommandant Jakob Weber sein Amt abgeben. Gerd Wurster wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Sein Stellvertreter wurde Fritz Notter.

Am 1. Juli 1987 wurden wir nach einem starken Unwetter, das sich über mehrere Landkreise ausdehnte, zur Unterstützung der Abteilung Stadtmitte in die Innenstadt gerufen.

Im Jahr 1988 konnten wir ein neues Mercedes-Tanklöschfahrzeug 16/25 mit Ziegler-Aufbau in Dienst stellen.

Zur Nachwuchsförderung gründete die Feuerwehr Reutlingen 1990 endlich eine Jugendfeuerwehr. Stadtbrandmeister Walter Hermann konnte über 100 Jugendliche willkommen heißen. Auch die Abteilung Mittelstadt rief eine Jugendgruppe mit 6 Jugendlichen ins Leben.
Die persönliche Schutzausrüstung der Aktiven wurde durch die Beschaffung von Einsatzunifomen, bestehend aus Schutzjacke und Latzhosen, erheblich verbessert.
Als Fritz Notter sein Amt als stellvertretender Abteilungskommandant zur Verfügung stellte, wählte man Manfred Kugel zu seinem Nachfolger.

Um die Einsatzmöglichkeiten der Ölwehr zu erweitern, konnte eine Schnelleinsatz-Ölsperre RR TYP 22 Rhein / Rhone 22 beschafft werden.

Im Januar 1992 wechselte die Abteilungsführung. Nach zehn Jahren stellte Abteilungskommandant Gerd Wurster sein Amt zur Verfügung. Als Nachfolger wählten die Kameraden Gerhard Fauser.
Um dem Aufgabengebiet der Ölabwehr gerecht zu werden, überstellte man unserer Abteilung einen Gerätewagen Transport (GWT), einen Gerätewagen Öl (GW Öl), sowie einen Ölsanimat von der Abteilung Stadtmitte. Überraschend erhielten wir als Stiftung der Firma Wagner Elektro-Hubstapler.

Am 6. März 1993 alarmierte uns um 2.09 Uhr die Leitstelle Reutlingen zu einem Brandeinsatz bei der Firma Buschmann in die Hallstattstraße. Eine Fabrikationshalle, in der Kunstoffteile produziert wurden, stand in Flammen. Mit Hilfe mehrer Abteilungen der Feuerwehr Reutlingen und der Feuerwehr Riederich konnte ein Ausbreiten des Feuers auf das Wohnhaus verhindert werden. Die Fabrikationshalle und ein Teil der Mitarbeiterwohnungen wurden ein Raub der Flammen.
Acht Tage später mussten wir zu einem Küchenbrand in die Wieslenstraße ausrücken. Durch beherztes Vorgehen der Angriffstrupps konnte der Brand auf den Küchenbereich beschränkt werden. Glücklicherweise hatten die als vermisst gemeldeten Personen das Haus vorher verlassen.
In gleichen Jahr installierte die Firma Wagner die erste Brandmeldeanlage; eine Vielzahl von Fehleinsätzen war die Folge.
Unser erster Einsatz als Ölwehr war einen Tag vor Heiligabend 1993 im Klärwerk Münsingen. Dort brachten wir den Ölsanimat zum Einsatz.
Das für uns bestimmte Löschfahrgruppenfahrzeug LF 8/6 kam durch die im zweiten mittelfristigen Bedarfsplan beschlossene Fahrzeugrochade nach Degerschlacht. Im Austausch dafür bekamen wir das Magirus LF 8 Baujahr 1974 von der Abteilung Degerschlacht überstellt. Unser alter Mercedes-Rundhauber (LF 8) fiel der Ausmusterung zum Opfer.

Ein Unwetter von bisher nicht bekannter Stärke brach am 6. Juli 1994 über den Ort herein. In wenigen Minuten ergoss sich eine wahre Sintflut über unseren Ortsteil. Im Kapf, in der Heerstraße und Neckartenzlinger Straße stand das Wasser meterhoch in den Kellern. Mehrere Abteilungen der Feuerwehr Reutlingen unterstützten uns bei diesen Einsätzen.

Am 26. Januar 1995 richtete ein orkanartiger Sturm großen Schaden in unserem Ortsteil an. Dieses Unwetter deckte an ca. 50 Häusern Teile der Dächer ab und beschädigte Kamine.

Der Alptraum einer jeder Feuerwehr traf uns am 4. Februar 1995 um 17.09 Uhr. Ein Defekt in der Elektrik des GWT löste einen Fahrzeugbrand aus, der sich rasch über die Decke der Fahrzeughalle auf den Dachstuhl ausbreitete. Die alarmierten Kameraden konnten das Tanklöschfahrzeug aus den Flammen retten und mit diesem einen Löschangriff vortragen. Die komplette Zerstörung des Feuerwehrhauses konnte so verhindert werden. Durch Mithilfe der Abteilungen der Feuerwehr Reutlingen konnte Stunden später die Einsatzbereitschaft für die Abteilung Mittelstadt wieder hergestellt werden.
Die Renovierung verzögerte sich wegen Meinungsverschiedenheiten zwischen Verwaltung, Feuerwehrführung auf der einen und der Abteilung auf der anderen Seite. Nach einem Konsens konnte im August endlich mit der Renovierung begonnen werden. Dieser beinhaltete einen Jugendraum, eine Funkkabine, ein Ziegeldach sowie einen neuen Bodenbelag für die Fahrzeughalle. Viele Arbeiten führten wir in Eigenarbeit durch. Im Dezember 1995 konnten wir wieder in die Fahrzeughalle einziehen und unsere neuen zweiteiligen Spinde, mit “Schwarz-Weiß” -Trennung, nutzen.
Trotz der Belastung durch den Feuerwehrhausbrand führten wir den Kreisfeuerwehrwandertag am 20. und 21. Mai in unserem Ort durch. Mehr als 600 Wanderer besuchten uns.
Im Oktober 1995 alarmierte uns die Leitstelle zu einem der größten Brände in der Geschichte der Feuerwehr Reutlingen. Das Reifenlager der Firma Gummi-Reiff, im Industriegebiet Mark West, stand in Flammen.
Im Dezember 1995 konnte als Ersatz für den ausgebrannten GWT ein Wechselladerfahrzeug mit einer Pritsche beschafft werden. Dieses Fahrzeug ergänzte das Fahrzeugkonzept der Feuerwehr Reutlingen. In den darauffolgenden Jahren beschaffte die Feuerwehrführung zwei Abrollcontainer für das Aufgabengebiet Ölwehr. Den Ausbau der Container AB Ölwehr Land und Wasser führten wir in Eigenregie durch.

Das 120-jährige Jubiläum feierten wir vom 24. bis 26. Oktober 1997. Das dreitägige Fest begann am Freitagabend mit einer Veranstaltung für die Jugend. Die Playbackgruppe ” Die Kelley’s” waren der Hauptteil der Jugendveranstaltung. Am Samstag fand ein Heimatabend statt, der von den örtlichen Vereinen und der Feuerwehr gestaltet wurde. Mit einem Tag der offenen Tür, einem Festhock und Schauübungen konnten am Sonntag die Festaktivitäten fortgesetzt werden.
Ende des Jahres 1997 wurde der Gerätewagen Öl, nach 30-jähriger Betriebsdauer, ausgemustert. Er hatte auch der Abteilung Mittelstadt hervorragende Dienste in Einsatz- und Übungdienst geleistet.

Ein wohl einmaliger Höhepunkt in unserer Gemeinde war der Glockenumzug im Jahr 1998, anlässlich der Einweihung fünf neuer Glocken. Sämtliche Vereine und Institutionen beteiligten sich an diesem Fest.

Auch die Abteilung Mittelstadt war von Spannungen im Personalbereich der Gesamtfeuerwehr mit betroffen. Dieses führte zum zeitweiligen Austritt fast aller Kameraden. Durch das persönliche Engagement des Oberbürgermeisters Dr. Stefan Schultes konnten an einer außerordentlichen Abteilungsversammlung die Wogen wieder geglättet werden.
Im gleichem Jahr wurde Michael Hettler zum stellvertretenden Abteilungskommandanten gewählt.
Ende des Jahres ergänzte man die persönliche Einsatzkleidung durch zweilagige Einsatzüberhosen, die einen wesentlich besseren Hitzeschutz bieten.

Einen ungewöhnlichen Einsatz mussten wir am 23. Februar 1999 bewältigen. Durch einen Defekt in einer Kabelmuffe beim Neckar fiel ein großer Teil des Telefonnetzes in Mittelstadt aus. Unsere Aufgabe war es, Kommunikationsverbindungen zur Nutzung in Notfällen im Feuerwehrgerätehaus einzurichten und die Bevölkerung durch mobile Beschallung zu informieren.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 wütete der Orkan “Lothar” über dem südlichen Teil des Bundesgebietes. Auch unsere Region war betroffen und die Feuerwehr Reutlingen musste mit ihren Abteilungen über 1000 Einsätze abarbeiten.
Wie die gesamte Wirtschaft, war auch die Feuerwehr am Jahrtausendwechsel gefordert. Um für eventuellen Ausfall der nicht milleniumsfähigen Computer und Rechneranlagen gerüstet zu sein, mussten die Feuerwehrhäuser besetzt werden. Deshalb feierte ein Großteil der Kameraden Silvester im Feuerwehrhaus.

Im Jahr 2000 ersetzte man das Magirus LF 8 Baujahr 1972 durch ein Iveco-Magirus LF 8, Baujahr 1985 von der Abteilung Rommelsbach.
Zu einem Großbrand bei der Firma Unomat in Reutlingen wurden wir am 30. Mai 2000 gerufen. Unsere Abteilung war bis am 1. Juni um 12.30 Uhr zu Nachlöscharbeiten vor Ort.

Da der Ölsanimat nicht mehr den technischen Standards entsprach, sonderte man ihn im Jahr 2001 aus. Aus Kostengründen wurde vorläufig kein Ersatz beschafft.

In diesem Jahr feiern wir nun unser 125-jähriges Jubiläum. Rückblickend auf die 125 Jahre, sind wir von schweren Unfällen und Schicksalschlägen verschont geblieben. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass die Kameraden weiterhin unversehrt von Feuerwehrdienst und Einsätzen zu ihren Familien zurückkehren können.

Diese Chronik wurde für die Festzeitschrift zum 125 jährigen Jubiläum verfasst.