Feuerwehrchronik |1877 bis 1977

Abschrift der Chroniktafel "Eine Chronik von Jakob Haug - Ehrenkommandant" zum 100 jährigen Jubiläum der Freiwillige Feuerwehr in Mittelstadt

Wenn vom hundertjährigen Jubiläum der Feuerwehr Mittelstadt die Rede ist, so könnte man meinen, daß es erst seit hundert Jahren eine Wehr gibt. Nun, so rückständig waren und sind die Mittelstädter nicht, denn man kann ja auch nicht sagen, daß es nie gebrannt hätte und eine Feuerwehr nie vonnöten gewesen sei. Seit es Menschenansiedlungen gibt, gibt es auch Brandfälle und die Menschen müssen sich schon aus eigenem Interesse gegen die Ausbreitung des Feuers wehren. Man erkannte damals sehr bald, daß es nicht ausreicht, wenn jeder nur um sein eigenes Wohl besorgt ist, – nur ein festes Zusammenstehen kann den Schaden aller abwenden. Diese Erkenntnis brachte es mit sich, daß es bald Vorschriften und Regeln gab, die der gemeinsamen Feuerbekämpfung vorangestellt wurden. Daß solche Maßnahmen bei größeren Ansiedlungen, zum Beispiel Städten, schon in früherer Zeit Anwendungen fanden, ist verständlich und so gibt es in der Stadt Reutlingen schon seit 150 Jahren eine Freiwillige Feuerwehr. Warum aber Freiwillige Feuerwehren? Wahrscheinlich hatten unsere Vorfahren sehr bald bemerkt, daß es bei den Pflichtwehren viel Not und Ärger gab und mancher sich eben nur so weit einsetzte, wie es gerade noch geboten war. Nun, wir kennen ja das Sprichwort: “Wenn der Hund zum Jagen getragen werden muß, dann ist übel gejagt.” Und so suchte man sich freiwillige Männer für die Brandbekämpfung, die sich schon vor einem Brandfall Gedanken machten, wie man dem roten Hahn zu Leibe gehen könne, wie aber auch vorzubeugen sei und welche Gerätschaften sich bei der Brandbekämpfung bewähren.

In Mittelstadt war es damals Altschultheiß Röhm, der für diese Idee warb. Die Handhabung der Sache in anderen Gemeinden mag ihm dabei wohl als Anregung gedient haben. So erklärte sich im Jahre 1877 eine schöne Anzahl von Männern bereit, sich unter Führung des Schultheißen Röhm freiwillig für diese gute Sache einzusetzen, um so des Nächsten Hab und Gut zu schützen. Neben der Pflichtwehr war es nun ein Zug von etwa vierzig Männern, der sich mit Rat und Tat um Vorbeugungsmaßnahmen bemühte. Man schaffte sich einheitliche Jacken an und pflegte auch unter sich die Kameradschaft. Doch es zeigte sich auch hier, daß guter Wille allein nicht genügt. Im Ernstfall war das Wasser Mangelware. Wenn die Brunnen erschöpft waren, dann mußten Jauchegruben herhalten und die Wasserträgerinnen und Wasserträger wurden bei der Freiwilligen Feuerwehr ebenso gebraucht wie bei der Pflichtwehr. Doch da sich der Ortsvorsteher der Sache fest verschrieben hatte, ging es rasch voran und die Gemeinde beschaffte eine “Saugfeuerspritze”. Zwei Jahre nach der Gründung der freiwilligen Abteilung übernahm im Jahre 1879 Georg Wurst als I. Kommandant die Gesamtwehr, nebst Gottlob Weiblen als stellvertretenden Kommandanten und verschiedenen Zugführern. Statuten wurden aufgestellt, – was wäre auch ein Verein ohne Statuten, – und eine Kasse wurde angelegt, denn inzwischen war die freiwillige Abteilung auf 26 Mann angewachsen. Im Jahre 1892 gab es dann einen Wechsel. Irgendwie muß es damals zu Unstimmigkeiten gekommen sein, denn die Mehrheit der Wehrmänner trat aus. Dafür traten andere in die freiwillige Abteilung ein und es wurde eine andere Führung gewählt. Erster Kommandant war nunmehr Bernhard Oswald und sein Stellvertreter Gottlieb Lutz. Neben Steigern und Rettungsoffizieren wurde Gottlob Schairer zum Spritzenmeister gewählt, – ein Mann, der wohl am längsten eine verantwortungsvolle und leitende Position in der Wehr inne hatte. Als diese neuen Männer die Kasse übernehmen wollten, hatten sie besonders leicht, denn die Kasse war leer. Der Chronist schreibt dazu bedauernd: “Wir mußten eine neue Kasse gründen, denn andere hatten alles Geld versoffen, zudem sie eigentlich kein Recht hatten”. Um einem ähnlichen Fall vorzubeugen, wurde beschlossen, daß die Kasse künftig vom Oberamt geprüft werden müsse. Jeder, Feuerwehrmann hatte eine Mark Beitrittsgebühr und einen Monatsbeitrag von 10 Pfennigen zu bezahlen. In den nächsten Jahren gab es sodann nie mehr Beanstandung in der Kassenführung, obgleich später vom Oberamt keine Kassenprüfungen mehr durchgeführt wurden. Alle Kassenführer waren seitdem bestrebt, möglichst viel einzunehmen und möglichst wenig auszugeben.

Von 1896 bis 1910 übernahmen Johannes Lutz und Fritz Löw die Führung der Wehr. Das Jahr 1910 brachte dann für unsere Gemeinde eine Umwälzung durch eine Neuerung, – die Wasserleitung. Damit begann auch für die Feuerwehr ein neues Zeitalter, dem jetzt konnte das Löschwasser bis zur Brandstelle geführt werden. Unter dem Eindruck dieser neuen Möglichkeit gruppierte sich die Wehr um und die bislang noch verbliebene Pflichtfeuerwehr wurde aufgelöst. Zum neuen Kommandanten wählte die inzwischen auf 118 Mann angewachsene Wehr Wilhelm Veit, – und Ludwig Knecht zu seinem Stellvertreter. Zugführer wurden Karl Jetter, Gottlob Wandel, Jakob Schmid, Georg Röhm und Hauptlehrer Fischer. Daß die Wasserleitung noch nicht das volle Vertrauen die Wehrmänner besaß, zeigte sich in dem Umstand, daß dem zweiten Zug der Hydrantenmannschaft noch eine Wassermannschaft angegliedert war. Diese sollte bei Ausfall der Wasserleitung tätig werden. Spritzenmeister war zu dieser Zeit immer noch Gottlob Schairer. Als Hornist tat Wilhelm Wurster, ein Mitbegründer des Musikvereins, seinen Dienst. Am 25. Juni 1911 trat dann jener Ernstfall ein, bei dem die neue Wasserleitung ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellen konnte. Die Wehr war des Lobes voll, denn das Löschwasser konnte tatsächlich ohne Umstände an die Brandstelle herangeführt werden. Als im Jahre 1911 der Musikverein erstmals bei einer Feuerwehrveranstaltung aufspielte, war man nicht in der Lage, das geforderte Honorar von 20 Mark aufzubringen. Wahrscheinlich meinten damals die Wehrmänner, daß es für die Musik eine Ehre sein müsse, bei der Feuerwehr zu spielen. 1912 wurde jedoch dieses Problem geregelt und der Musik eine Vergütung zugesichert. Die Feuerwehrmänner bekamen um diese Zeit einen schwarzen Rock, der nach sechs Dienstjahren in das Eigentum seines Trägers übergehen sollte. Am 14. Juni 1914, also kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges, brannte die Mühle. Leider konnten weder die Wasserleitung noch das unerschöpfliche Wasser des nahen Neckars das Abbrennen von Mühle und Wohnungen verhindern. Doch konnte die Wehr es als einen großen Erfolg verbuchen, das Elektrizitätswerk gerettet zu haben. Als im Jahr darauf die Mühlenscheune brannte, gelang es der mannschaftsgeschwächten Wehr und ihrem Kriegskommandanten W. Merkle nicht, dem Feuer Einhalt zu gebieten. Nach dem Ersten Weltkrieg mußte dann wieder eine Neueinteilung der Wehr vorgenommen werden, denn viele Wehrmänner behielt der Krieg für immer. Am 7. April 1919 wurde dann G. Wurster zum I. Kommandanten gewählt und Heinrich Müller wurde sein Stellvertreter. Zugführer wurden Fritz Wurster, Christian Nagel der auch später einen Spielmannszug gründete sowie Jakob Schmid und David Schneider. Spritzenmeister blieb Gottlob Schairer und die Wehrstärke betrug nunmehr 75 Mann. Ab 1922 trat der Musikverein bei jeder Übung mit an. Mit klingendem Spiel ging es zum Übungsplatz, – für die Instrumentenabnutzung zahlte die Feuerwehr einen jährlichen Entschädigungsbeitrag von 15 Mark. Eine weitere Neuerung war in diesem Jahr auch die Anbringung eines Schlüsselkastens am Feuerwehrmagazin, um im Ernstfall und noch vor Eintreffen des Gerätewarts aufschließen zu können.

Im Jahre 1925 galt es, zwei Brände zu löschen. Das Schulhaus am Lodenberg wurde zum großen Teil ein Raub der Flammen, weil der Wasserdruck zu gering war. Man mußte sich hauptsächlich auf den Schutz der Nachbarhäuser beschränken. Eine Maßnahme, die auch vom Bezirksfeuerlöschinspektor gewürdigt wurde. Das Eigentümliche in diesem Jahr war, daß sowohl die Schule wie auch die Scheune von Gottlob Röhm, das zweite Brandobjekt, durch Brandstiftung vernichtet wurden. Bei der Scheune konnte die Wehr lediglich Feuerhaken einsetzen, denn das Wasser fror in jener kalten Winternacht in den Schläuchen ein.

An den Kreisfeuerwehrfesten und sonstigen Jubelfesten der einzelnen Wehren beteiligte man sich regelmäßig. So nahmen am 25. Juli 1926 beim 100-jährigen Jubiläum der Reutlinger Feuerwehr 80 Mann einschließlich Musik aus Mittelstadt teil. Ich glaube, wenn die Reutlinger Feuerwehrkameraden damals geahnt hätten, daß sie 50 Jahre später unsere Wehr als eine Perle in ihrer Krone führen würden (so ähnlich der Hinweis von Oberbürgermeister Dr. Oechsle 1975 bei der Eingemeindung), dann wäre man sicherlich bei unserem 50. Jubiläum nicht nur mit 20 Mann in Mittelstadt erschienen. Im Jahre 1927 feierten wir im Zuge des Kreisfeuerwehrtages unser 50-jähriges Jubiläum. Rund 60 Wehren waren geladen, von denen der größte Teil auch erschien. Am Samstag, dem 10. Juli, marschierte man bei Dauerregen zusammen mit den örtlichen Vereinen vom Rathaus zum Festzelt und nach dem Festbankett als Fackelzug zurück zum Rathaus. Am Festsonntag hörte der Regen auf und man konnte deshalb bei der Hauptübung, an der sich auch die motorisierte Wehr aus Urach beteiligte, das Wasser sparen. Beim Festzug schien die Sonne dann in voller Pracht. Einen würdigen Abschluß unseres Festes bildete die Überreichung einer Standarte durch die Gemeinde Mittelstadt. Seither haben wir bei allen geeigneten Anlässen unsere Standarte getragen und tun dies auch heute noch. Für das Jahr 1927 ist an dieser Stelle noch der Brand bei Gustav Röhm vom 5. Mai nachzutragen.

Im Jahre 1930 schied der altbewährte Feuerwehrmann Fritz Wurster nach 40 Jahren Dienstzeit aus der Wehr. Als man ihm zum Abschied ein schönes Geschenk überreichte, schloß er seine ausführliche Dankesrede mit einem dreifachen Hoch auf unsere Feuerwehr. Heute hat so etwas Seltenheitswert. Damals ahnte nämlich noch niemand, daß bald am Ende einer jeden Versammlung ein dreifaches Hoch auf eine Einzelperson ausgebracht werden würde.

1932 wurde unser Kommandant Gottlob Wurster nach 35 Dienstjahren von der Wehr und vom Verbandsvorsitzenden Kommandant Keller aus Metzingen geehrt. Leider zwangen gesundheitliche Gründe Gottlob Wurster sein treu verwaltetes Amt in die Hände eines Jüngeren zu legen. Auf Vorschlag des Bürgermeisters rückte der seitherige 2. Kommandant H. Knecht an die erste Stelle und G. Röhm wurde Stellvertreter, denn jetzt war es schon so weit, daß wir der Ortspolizeibehörde unterstellt waren. Noch einmal konnten wir gemeinsam mit dem Kreisfeuerwehrtag ein Fest feiern, unser 60-jähriges Jubiläum am 15. Mai 1937. Im Zuge der Gleichschaltung wurde auch unser Kreisfeuerwehrverband aufgelöst. Es kam nun der Krieg und ein großer Teil der Wehrmänner wurde zu den Waffen gerufen. Alte Feuerwehrveteranen mußten wieder einspringen und später wurden die älteren HJ-Jungen zu Wehr befohlen. Inzwischen erhielten wir auch eine Tragkraftspritze, denn ohne die hätten wir unsere Reutlinger Kameraden nicht unterstützen können, als es zu den schweren Bombenangriffen im März 1945 kam. Gottlob Röhm hatte dort zusammen mit seinem Stellvertreter Gottlob Kurz die Einsätze unserer Wehr zu leiten.

Beim Einmarsch der Alliierten in unser Dorf wurden die Häuser von K. Wartmann, K. Lutz, Otto Röhm, Familie Kiefner und die Zehntscheuer in Brand geschossen. Durch die Einsätze unserer Wehr konnte dabei noch sehr viel gerettet werden. Es kann der Dank der Brandgeschädigten gerade für jene Einsätze nicht hoch genug herausgestellt werden. Nach der Besetzung unseres Dorfes wollte niemand mehr zur Wehr, bis dann eines Tages durch den Ortsbüttel Wandel der Befehl durchgegeben wurde, daß sich alle männlichen Einwohner am Rathaus einzufinden hätten. Dort wurden dann etwa 60 Mann für die Wehr befohlen. Doch es währte nicht allzu lange und wieder kam ein Befehl der Militärregierung, daß unsere Wehr auf 21 Mann zu reduzieren sei. Den Grund hierfür kennen wir nicht. Es gab damals Leute, die meinten, daß die Besetzer Angst hätten, wenn so viele Männer in Uniform beisammen wären. Nun, die neu eingeteilten Männer erhielten dann von der Militärregierung einen Ausweis, auf dem von allen zehn Fingern in Beisein einer französischen Abordnung ein Abdruck gemacht wurde. Danach wurden nebst den Gruppenführern der neue I. Kommandant Wilhelm Henzler und sein Stellvertreter Otto Kuhn gewählt. Doch allmählich nahm unsere Wehr zahlenmäßig wieder zu. Ob illegal oder stillschweigend von den Besatzern geduldet: Mit 21 Mann hätte man im Ernstfall eines Brandes ohnehin nicht sehr viel ausrichten können.

Am 28. November 1947 beging die Mittelstädter Feuerwehr in bescheidenem Rahmen zusammen mit den alten Veteranen das 70. Gründungsfest. Das Mehl für Brezeln stiftete damals in dankenswerter Weise die Firma G. Röhm, denn die Familien der Wehrmänner hatten zu dieser Zeit auch nur das Nötigste. Bei unserer nächsten Hauptübung im Herbst 1948 wirkte auch unsere Stützpunktwehr mit und eine Gruppe der Reutlinger Wehr unter ihrem Kommandanten Schauwecker. Als dann 1949 damit begonnen wurde, Leistungswettkämpfe zu veranstalten, machten wir selbstverständlich auch mit. Der Landesfeuerwehrtag in Ulm wurde 1950 für uns ein großes Ereignis.

Doch es sollte nicht lange dauern und Mittelstadt hatte wieder seinen Großbrand, nämlich die Mühle. Als am 20. September morgens 5.30 Uhr die Sirene zum Einsatz rief, mußte man nicht erst fragen, wo es brenne. Die Flammen loderten hoch gegen den Himmel und es war klar, daß unsere Wehr allein diesen Brand nicht niederringen konnte. Sofort wurden Metzingen, Reutlingen, Urach, Nürtingen, Pfullingen und die Nachbarwehr Pliezhausen alarmiert. Bei der Zuleitung des Löschwassers zur Brandstelle ging es zwar geordnet zu, doch als nach etwa 4 bis 5 Stunden das Feuer unter Kontrolle war und die auswärtigen Wehren abrückten, hatte man erhebliche Mühe, die haufenweise daliegenden Schläuche den rechtmäßigen Eigentümern zuzuordnen. Die Uniformen waren von einer Art Mehlteig überzogen und die Mittelstädter Wehr mußte noch tagelang eine Brandwache stellen, denn immer wieder flackerte es da und dort noch auf. Letztlich aber war es mit Hilfe der anderen Wehren doch gelungen, das Elektrizitätswerk und die angrenzenden Wohnungen zu retten. Heute steht unsere Mühle schöner da als je zuvor.

Bei schönstem Wetter feierten wir 1952 das 75-jährige Jubiläum unter der Leitung von Landesbrandmeister Bolay aus Pfullingen. Dabei wurden auch Leistungswettkämpfe ausgetragen.

Zu einem größeren Brand kam es dann wieder am 7. November 1953, als der Zehnthof in Flammen stand und die Stützpunktfeuerwehr Metzingen zu Hilfe gerufen werden mußte. Weil das Ortsnetz nicht genügend Löschwasser hergab, mußten die Metzinger auf unsere Löschwasserreserve, den Neckar zurückgreifen. Das wachsende Dorf und die nachlassende Leistung des Tragkraftspritzenfahrzeuges TS 8 machten eine entsprechende Neuanschaffung dringlich. Kommandant Wilhelm Henzler bemühte sich zwar sehr darum, doch hatte er sein Amt bereits an Jakob Haug übergeben, als es endlich soweit war. Zusammen mit einigen Feuerwehrmännern und Bürgermeister Steinmaier konnte I. Kommandant Jakob Haug gerade noch vor Weihnachten 1958 ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug von der Firma Ziegler in Empfang nehmen. Bei den Proben, die alle Möglichkeiten des neuen Gerätes zeigen sollten, haben sich Gerätewart O. Knecht, Gruppenführer Hermann Müllerschön und der II. Kommandant Willi Etter besonders eingesetzt. Man war froh, endlich mehr Schlauchmaterial zu haben.

Einen besonders tragischen Unfall hatten wir in unserem Dorf, als am 14. Juli 1964 drei junge Männer aus einem Schacht am Sportplatz zu bergen waren. Es war ein furchtbarer Anblick, wie diese Männer im Wasserschacht lagen. Weil wir keinen Atemschutz hatten, mußten unsere Metzinger Kameraden einspringen. Doch auch sie konnten für diese Männer keine Hilfe mehr bringen. Auf dem Transport ins Krankenhaus verstarben sie. Bei Rettungsarbeiten holte sich auch unser Gerätewart O. Knecht gesundheitliche Schäden, die sich vielleicht heute noch bemerkbar machen.

Weil unser Dorf sich aber immer mehr ausdehnte, mußten wir auch daran denken, unsere Ausrüstung zu verbessern. Wir waren daher froh, als wir durch das Bemühen unseres Kreisbrandmeisters Neubrander im Jahre 1967 ein schweres Löschfahrzeug LF 8 samt Ausrüstung und eine zweite Tragkraftspritze TS 8 erhielten. Doch weil dieses zweckmäßige und schöne Löschfahrzeug im Feuerwehrmagazin nicht unterzubringen war, stellte Erich Knecht entgegenkommenderweise seine große Garage zu Verfügung. Mit dem Bau eines neuen Feuerwehrmagazins setzte sich zweifellos unser Bürgermeister Siegfried Drissner in den Herzen der Feuerwehrmänner ein Denkmal. Im September 1970 konnte das schöne, große und moderne Feuerwehrgerätehaus eingeweiht werden. Landrat Müller, Kreisbrandmeister Neubrander, die Vertreter der Nachbarwehren und ein großer Teil der Bürgerschaft waren bei der Einweihung zugegen. Ein einmaliger Bunter Abend, der von unserer Wehr auf die Beine gestellt wurde, bildete den Abschluß jenes denkwürdigen Tages, an den noch heute die Geschenke in der Vitrine des Unterrichtsraumes erinnern.

Ein ganz besonderes Ereignis war es auch für unsere Wehr, als im Zuge der Eingemeindung von Mittelstadt in die Stadt Reutlingen die Wehr 1975 zu einer Abteilung der Feuerwehr Reutlingen wurde. Wir hätten vielleicht mit bangen und wehen Herzen diesem Tag entgegen gesehen, wenn wir nicht schon längst vorher durch freundschaftliche Kontakte mit den Reutlinger Kameraden und besonders mit Stadtbrandmeister Walter Hermann gewußt hätten, daß wir dort in wirklich gutem und kameradschaftlichem Geist und Verhältnis aufgenommen würden. Und so hieß uns Stadtbrandmeister Walter Hermann am 1. März 1975 bei der Übernahme in unserem Feuerwehrgerätehaus mit warmen Worten in der großen Kameradschaft der Reutlinger Wehr mit ihren Abteilungen herzlich willkommen. Er sagte uns nach wie vor weitmöglichste Selbständigkeit zu und betonte, daß wir auch bei der Beschaffung von erforderlichem Gerät für unsere Abteilung genau wie alle anderen Abteilungen behandelt würden. Diesem Prinzip wollte er und auch der Gesamtausschuß der Wehr treu bleiben. Daß dies nicht nur leere Worte waren, davon konnten wir uns überzeugen: Funk, Motorboot und neue Uniformen sind der Beweis dafür.

Seit dem 1. Februar 1976 stehen die 35 Mittelstädter Feuerwehrmänner und die aus fünf Ehrenmitgliedern bestehende Altersabteilung unter der Führung von Abteilungsleiter Egon Walker und seinem Stellvertreter Jakob Weber.

Der Wahlspruch “Gott zur Ehr, dem Nächsten zu Wehr” gilt wie vor hundert Jahren auch heute noch und das erfüllt uns alle mit Dank und Freude. Daß es immer so bleiben möge, das schenke Gott. Dies ist auch der Wunsch des Ehrenkommandanten.

Jakob Haug

Ehrenkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Reutlingen,
Abteilung Mittelstadt